Ein Kommentar von Frederic Striegler - SPD Kreisvorsitzender
Was in den letzten Tagen aus dem Regionalteil unserer Zeitungen heraussticht ist die Asyldebatte – Der einhellige Tenor der Bevölkerung, dass man den Menschen aus Syrien, dem Irak oder Lybien helfen muss. Hört man aber genauer hin dann wird ein Unterton deutlich wahrnehmbar - „ABER BITTE NICHT IN UNSERER NACHBARSCHAFT!“ Leider haben sich auch große Teil des Gemeinderats die teils krude Argumentation zu eigen gemacht und wollen nun um nicht entscheiden zu müssen neue Standorte geprüft wissen- immer in der Hoffnung, Plätze mitten in der Stadt zu finden, an denen sich im Umfeld niemand an Asylbewerben stören wird. Diese Hoffnung ist eine Illusion, es wird immer Widerstand zu erwarten sein und daher sollte der Gemeinderat auch handeln und schnellstmöglich eine Entscheidung treffen! Ansonsten werden wohl schon bald unsere Turnhallen oder leerstehende Klassenzimmer mit Flüchtlingen belegt werden müssen -ob das wohl im Sinne unserer Stadt wäre oder gar der Integration der Menschen dient?
Die der Stadt zugewiesenen Menschen fürchten um ihre Existenz, haben vielleicht bereits Familienmitglieder oder Freunde verloren oder kämpfen mit einem Trauma. Kriegstrauma sind etwas, was in Deutschland glücklicherweise „ausgestorben“ ist- aber müssen wir deshalb zugleich unsere Mitmenschlichkeit begraben?
Ich hätte mir ein positives Signal von allen politischen Kräften in Pforzheim gewünscht. Ich hätte mir eine Willkommenskultur für diese Menschen gewünscht, eine Pforzheimer Bevölkerung, die diese Menschen an die Hand nimmt. Alles andere ist der Fall. Man scheint sich nur Gedanken darum zu machen, wie man die eigene Familie vor den „ausländischen Übeltätern“ schützen kann. Statt Unterstützung um diese schwere Aufgabe zu bewältigen, erhält die Verwaltung Emails die weitgehend beleidigend und voller Kritik sind. Liebe Asyl-Kritiker, liebe „ich bin ja kein Nazi, aber… Menschen“, liebe Rechtspopulisten, liebe „Sonntags“-Christen, ich appelliere hiermit an rein menschliche Werte, die es in dieser Gesellschaft nicht mehr zu geben scheint. Ich appelliere an Vernunft, Verständnis und Respekt. An Toleranz und Nächstenliebe. Ich bin enttäuscht, dass die Stadt in der ich lebe, Asylbewerbern das Zeichen gibt, dass sie hier unerwünscht sind. Unterhalten sie sich doch zunächst einmal mit diesen Menschen, statt sie ungekannt nach Hause senden zu wollen. Bevor man der Stadtverwaltung den schwarzen Peter zuschiebt, sollte gesehen werden, dass diese nur strikt nach gesetzlichen Bestimmungen und übrigens nach vom Gemeinderat beschlossenen Vorgaben handelt