Thomas Knapp MdL, energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, führte am 2. Juli 2008 rund 40 Seniorinnen und Senioren der AG 60 Plus durch die Biogasanlage am Hohberg und erläuterte anschaulich das Funktionsprinzip und die Chancen der Biomasse.
Biogas entsteht aus Pflanzen durch einen gesteuerten Fäulnisprozess und wird dann einer Verbrennung zugeführt, mit dessen Energie dann ein Generator zur Stromerzeugung angetrieben wird. Mit diesem einfachen Prinzip wird Strom erzeugt und in das allgemeine, ganz normale Stromnetz eingespeist Das Kraftwerk dient so - wie Strom aus Kohle-, Öl-, Gas- oder Atomkraftwerken - der Nutzung der erzeugten Energie durch private Haushalte, Industrie und Gewerbe, Beleuchtung unserer Verkehrsanlagen, Schienennahverkehr usw.
Darf man Pflanzen von unseren Äckern, von unseren Bauern, dazu nutzen, um Strom zu erzeugen? Letztendlich tägliches Brot für Elektrizität einsetzen? Das geht vielen noch gewaltig gefühlsmäßig gegen den Strich. So oder ähnlich mögen manche der an die vierzig SPD-Seniorinnen und -Senioren gedacht haben, die sich von ihrem Landstagsabgeordneten Thomas Knapp unlängst durch dessen neues kombiniertes Biokraftwerk führen ließen. Das brandneue Werk mit einer futuristischen Architektur ist fast genial der Landschaft angepasst. Farblich sind die beiden Produktstrassen augenfällig gemacht - lila für Biogas, braun für Pellets.
Es stimmt einfach nicht, dass durch die Nutzung von Biomasse zur Stromerzeugung Landwirtschftserzeugnisse knapp werden, so Thomas Knapp. Nur 3 % der gesamten Ackerfläche werden derzeit für neue Energien genutzt. Man darf es nicht nur, man muss es immer mehr tun, um weg zu kommen von Kohle, Öl oder Atom, hin zu den so genannten regenerativen, das heißt nachwachsenden Rohstoffen, die auf unseren Äckern immer wieder wachsen und dadurch nichts unwiederbringlich verloren geht.
Gleichzeitig werden in seinem Werk Holzpellets hergestellt, diese kleinen „Würstle“, die aus Holzfasermasse gepresst und dann mit Abwärme vom Biogas getrocknet werden, um alternativ zu Öl und Gas in Heizungsanlagen der Haushalte und Gewerbebetriebe usw. verbrannt zu werden. "Kraft-Wärme-Kopplung" nennt man diese moderne Technologie, Wärme die für den Strom nicht gebraucht wird, zum Trocknen der Grundmasse für Pellets zu nutzen.
Auf einem großen Lagerplatz - eine ganze Jahresproduktion von 27.000 Kubikmeter Silage kann dort Raum finden - lagert viel Holz, um zerraspelt zu werden, vor allem aber lagern dort die Pflanzenstoffe. Diese werden durch ihr Eigengewicht zusammen gepresst, die Gärung beginnt damit schon hier.
Wärme durch Gärung, das ist das ganze Geheimnis dieser Technologie. Myriaden fleißiger, mini-kleiner Mikroorganismen wirken zusammen, um diesen biochemischen Prozess möglich zu machen. Ergebnis: 8 Millionen Kilowatt Elektrizität aus Biomasse pro Jahr. Zahlreiche große und kleinere Silo-Baukörper prägen das Bild der Anlage.
Ein zünftiges Vesper, nicht nur zur Stärkung, sondern auch für angeregte, interessierte und nachdenkliche Gespräche, beschließt diese hochinteressante Exkursion.
Hermann Baethge