Pforzheim soll im Jahr 2020 die erste 100 Prozent Erneuerbare Energie Großstadt werden - das ist das Ziel der Naturfreunde Pforzheim, ein Ziel hinter dem auch die SPD-Gemeinderatsfraktion steht.
In seiner Funktion als Vorsitzender der Naturfreunde Pforzheim wandte sich SPD-Gemeinderat Jens Kück an Oberbürgermeister Gert Hager:
Masterplan zu Energie
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
- 1. Wir bitten Sie, zügig einen Masterplan für Energie aufstellen zu lassen. Ziel muss sein, dass die Regionalhauptstadt Pforzheim zur Energie–Hauptstadt mit 100 Prozent Erneuerbarer Energie Versorgung bis 2020 wird. Das ist gut machbar, denn die Voraussetzungen dafür sind in Pforzheim gegeben. Jetzt kommt es nur noch auf das Wollen aller Beteiligten an.
- 2. Als begleitende Maßnahmen bitten wir, gemeinsame Veranstaltungen mit der IHK bei Kleinen und Mittleren Betrieben (KMU) anzubieten. Ziele sind: weiteres Energiesparen, Investitionen in Erneuerbare Energien, Mittlere Blockheizkraftwerke und Werbung für Kühlungen im Sommer mittels Erneuerbarer. Die IHK ist sicher an gemeinsamen Veranstaltungen mit den SWP interessiert.
- 3. Gerne wiederholen wir den Vorschlag von 2009, das Thema Erneuerbare Energien mit einem Wettbewerb für Kindergärten und Schulen mehr in das Bewusstsein der Jugend und dadurch auch der Eltern zu befördern. Wir wollen der Jugend eine Stadt übergeben, die mit den natürlichen Ressourcen sparsam umgeht und auf einer nachhaltigen Energieerzeugung aufbaut.
Begründung:
Im Dezember 2009, direkt nach dem gescheiterten 15. UN-Klimagipfel in Kopenhagen, hat die Ortsgruppe Pforzheim der Naturfreunde eine eigene Strategie zur CO2 Minderung für unsere Heimatstadt Pforzheim erarbeitet. Eine Delegation unseres Vereins hat Ihnen unseren Vorschlag als Resolution am 08.01.2010 überreicht. Damit haben wir die Bitte an Sie verbunden, sich in der Verwaltung, in unseren Eigenbetrieben und den GmbH dafür einzusetzen, dass die Vorschläge Zug um Zug umgesetzt werden. Ziel ist, dass im Jahr 2020 die Strom- und Wärmeversorgung ausschließlich aus Erneuerbaren Energien sichergestellt wird. Vision: Pforzheim 2020 - 100 Prozent Erneuerbare Energien.
Wurden unsere Vorschläge zur Energiewende Anfang 2010 noch zurückhaltend durch die zuständigen Gremien (z.B. SWP) beurteilt, sind sie auf der anderen Seite von Prof. Dr. Michael Müller (Staatssekretär a.D. im BMU) und Prof. Dr. Hermann Scheer („Solarpapst“) begrüßt und weiter empfohlen worden. Bundesweite Veröffentlichungen haben inzwischen Gruppierungen in anderen Kommunen zu ähnlichen Ansätzen ermuntert. In Berlin werden wir mit unserer Initiative demnächst als eines von 50 Leuchtturm-Projekten in Deutschland vorgestellt.
Inzwischen hat die Stadt zusammen mit der KEA (Klima und Energie Agentur) ein Handlungskonzept zur Nachhaltigkeit für Pforzheim erarbeitet. Uns Naturfreunden sind die darin enthaltenen Vorschläge für die Umsetzung der lokalen Energiewende nicht ambitioniert genug. Wir sind der festen Überzeugung, dass deutlich mehr bis 2020 erreicht werden kann.
Bedenken Sie, dass die Vorschläge der Naturfreunde weit vor dem tragischen Unglück in Fukushima und lange vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg vorgelegt worden sind. Die technische Machbarkeit einer Steuerung verschiedener Energieerzeugungen an verschiedenen Standorten in Deutschland ist uns frühzeitig durch die Fraunhofer Gesellschaft bestätigt worden. Heute ist sie Stand der Technik.
Leider müssen wir nun feststellen, dass die auch von der jetzigen Bundesregierung beschlossene Energiewende nur halbherzig angegangen wird. Mehrere Stellen der Regierung versuchen sogar zu bremsen.
Wir wissen, dass die Stadt Pforzheim mit 50 Prozent schon heute Vorbildcharakter beim Anteil Erneuerbarer Energieerzeugung hat. Maßgeblich durch die Biomasse Anlage im HKW, Biogas, Solar Anlagen in unterschiedlichen Größen und zwei Wasserkraftwerke an der Enz.
Durch Windkraft, Wasserkraft, solare Nutzungen und Biomasse wie die Technik der Mitverbrennung ist für Pforzheim die Energiewende bis 2020 zu schaffen.
Der Masterplan sollte kurz und knapp belegen, welchen Anteil der circa 360.000 MW/h Gesamtstromerzeugung bis zu welchem Zeitpunkt die einzelnen Erneuerbaren Energien beisteuern sollen.
Die Menschen wollen mit sehr großer Mehrheit die Energiewende. Wenn es aber Berlin nicht schafft und die Umsetzung der Energiewende nur so dahin dümpelt, ja bewusst verzögert wird, dann müssen wir vor Ort zupackend handeln. Es kann nicht angehen, dass die Verbraucher dafür zahlen müssen, nur weil sich die vier großen Energieerzeuger in den vergangenen Jahren verkalkuliert, vielleicht sogar falsch aufgestellt haben.
Pforzheim ist mit den Stadtwerken ausgezeichnet aufgestellt. Genau deshalb muss ein für alle Verbraucher nachvollziehbarer verständlicher Masterplan endlich die jährlichen Schritte erläutern, damit Pforzheim im Jahr 2020 die erste 100 Prozent Erneuerbarer Energie Großstadt wird.
Diese Autarkie ist dringend erforderlich, denn die Großen Vier schaffen die Umsetzung der Energiewende bis frühestens 2035/2040. Dies ist uns soeben von Gutachtern für die Bundesregierung bestätigt worden.
„Yes we can – yes we care“ – möchten wir Ihnen zurufen.
Mit freundlichen Grüßen
Gez.
Dipl. – Ing. Jens Kück
Erster Vorstand Naturfreunde Pforzheim
Stadtrat