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Kommentar der Woche: Josef, lieber Josef mein

Veröffentlicht am 06.04.2008 in Politik

oder
Wohin führt uns die ungebremste freie Marktwirtschaft?

Kennen Sie Adam Smith? Das war der, der vor langer Zeit behauptete, dass die ungezügelte wirtschaftliche Freiheit den Wohlstand am besten zu fördern vermöge. Die Summe aller Egoismen stelle das allgemeine Wohl dar.

Adam Smith ist schon lange tot. Und trotzdem erscheinen seine Behauptungen seltsam vertraut und aktuell. Warum nur? Machen Sie die Probe aufs Exempel: Setzen Sie einfach ein-mal an die Stelle der "wirtschaftlichen Freiheit" den Begriff "freie Marktwirtschaft". Verwenden Sie statt der "Summe aller Egoismen" die "Stärkung der privaten Marktkräfte". Sie sehen, es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Franz Müntefering brachte den Begriff der "Heuschrecken" in die Diskussion, um die Folgen einer unkontrollierten freien Marktwirtschaft zu beschreiben. Nun machen "Subprime", "Hypothekenkrise" und "Bankenkrise" deutlich, wohin der ungezügelte Egoismus Einzelner führt: in eine gewaltige wirtschaftliche Krise.

Amerika ist weit weg. Da ist viel Blauwasser dazwischen. Ein paar Menschen können dort ihre Häusle nicht bezahlen. Ein paar deutsche Banken müssen Wertberichtigungen vornehmen. Was solls? Uns gehts doch gut. Die paar Milliarden Euro Stütze für die IKB müssen uns doch nicht beunruhigen.

Wer bisher die Bankenkrise mit einem Schulterzucken abtat, wen nur die sprichwörtliche klammheimliche Freude anschlich, den sollte eine Äußerung Josef Ackermanns nachdenklich machen. Der Chef der Deutschen Bank glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Markts. In der schwierigen Situation in Amerika sei dort eine konzertierte Aktion von Regierung, Notenbank und Marktteilnehmer notwendig. Der Chef der Deutschen Bank ruft nach dem Staat? Wenn es nicht in der Zeitung stehen würde, man würde es kaum glauben wollen.

Bevor Sie sich falsche Hoffnungen machen: Josef Ackermann will mit seinem Ruf nach dem Staat natürlich nicht andeuten, dass die Deutsche Bank bereit ist, sich zukünftig finanziell mehr für die Gesellschaft einzusetzen. Die Gewinne seiner Bank will er selbstverständlich in vollem Umfang behalten.

Was wird aus alledem deutlich? Die Marktwirtschaft ist zunächst einmal eine Idee. Allerdings ist die reine Lehre der Marktwirtschaft nicht umsetzbar. Denn die Voraussetzungen der reinen Lehre können in der Wirklichkeit nicht geschaffen werden. Daher ist es nötig, dass der Staat lenkend eingreift, um die Vorteile der Marktwirtschaft für alle zur Geltung zu bringen und den Missbrauch durch einige zu verhindern. Dabei handelt es sich um eine so-zialpolitische Ordnungsaufgabe; eine Aufgabe, die für die SPD geradezu maßgeschneidert ist.

Ihr
Gerd Ulrich Mathias
Uetersen

 

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