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Hans-Jochen Vogel in Pforzheim.

Veröffentlicht am 09.11.2007 in Veranstaltungen

Hans-Jochen Vogel

"Ich habe selten in meinem langen Leben so frohe Menschen gesehen", so Hans-Jochen Vogel zur unmittelbaren Zeit nach dem Mauerfall am 9. November 1989. Ein Zeitzeuge, der in dieser Zeit Vorsitzender der SPD-Fraktion des Bundestages war und deshalb unnachahmlich spannend aus dieser Zeit berichten kann. Dies tat er genau 18 Jahre später im PZ-Forum mit seinem Vortrag "9. November 1989 - Ist zusammengewachsen, was zusammengehört?", den er auf Einladung der Pforzheimer Zeitung, der Volkshochschule Pforzheim-Enzkreis und dem Verein "Gegen Vergessen für Demokratie e.V. Baden-Württemberg" vor sprichwörtlich vollem Haus hielt.

"Wie immer" hatte Willy Brandt seinen Personalausweis nicht dabei und so saßen Sie in Ihrem Auto am Grenzübergang und warteten auf den Grenzbeamten, der hektisch telefonierend bei seinen Oberen nachfragte, wie er denn nun reagieren solle. Währenddessen kamen ihnen in einer Flut die ersten DDR-Bürger entgegen, die ihnen zuwinkten und sie grüßten. Erst als Vogel auf den Beamten einredete und ihm vorgab, dass sie, Willy Brandt und er, als "Präsident und Vizepräsident der Sozialistischen Internationalen mit den Genossen der SED über die Situation diskutieren" wollten, lenkte der Beamte ein und - Ordnung muss sein - genehmigte formell mit Handanlegen an die Mütze die Einreise in die Noch-DDR.

In seinem neunzigminütigen Vortrag ging er neben seinen höchstpersönlichen Rückblicken auf die unmittelbare Zeit des Mauerfalles auf die Herausforderungen und Hürden der sich nach dem Mauerfall anbahnenden Wiedervereinigung und der ersten Jahre danach ein. Selbstverständlich könne eine Wiedervereinigung in den Köpfen nicht so schnell funktionieren, wie dies auf dem Papier geschehen ist - niemand machte sich hier Illusionen. Dennoch war es ein richtiger Weg, möglichst zügig die Währungsreform einzuleiten und die Wiedervereinigung zu vollziehen. Das daniederliegende Wirtschaftssystem im Osten, die praktisch wertlos gewordene DDR-Mark und letztendlich auch die Hoffnungen der ehemaligen DDR-Bürger haben schnelle und konsequente Schritte erfordert - die, so Vogel entwaffnend ehrlich, nicht alle auf Dauer so erfolgreich waren, wie ursprünglich geplant. Dennoch verbietet sich der Vergleich mit früheren "Wiedervereinigungen", da diese Wiedervereinigung ohne Blutvergießen und weitgehend friedlich geschah, da viele Menschen in Ost und West zu genau den richtigen Zeitpunkten kühle Köpfe behalten hatten.

Hans-Jochen Vogel legt Wert darauf, dass die Erinnerung an das Unrechtssystem der DDR und an deren Opfer auch zukünftig wach gehalten werden muss. Diese wichtige Erinnerungsarbeit ist auch eine Verpflichtung des Staates, um die Vielzahl der Projekte und Gedenkstätten weiter zu unterstützen. In diesem Zusammenhang verwies Vogel auf das besondere Engagement von Klaus Knabe und seiner Frau, die aus persönlichen Motiven und mit sehr viel Enthusiasmus mit dem DDR-Museum "Gegen das Vergessen" in Pforzheim eine der bemerkenswertesten Sammlungen in Westen Deutschland zusammengetragen haben. Eine beispiellose Arbeit, der Hans-Jochen Vogel seinen persönlichen Respekt zollt.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie Vogel den aufkeimenden Nationalsozialismus und den Fremdenhass im Osten Deutschlands sähe, antwortete er, dass inzwischen auch im Osten der Widerstand in der Bevölkerung gegen Fremdenfeindlichkeit vorhanden und auf dem besten Wege ist. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang sei vor allem, dass der Fremdenhass vor allem in Regionen am stärksten ist, die einen verhältnismäßig geringen Ausländeranteil haben und umgekehrt. Gefordert ist deshalb vor allem in den Hochburgen ein verstärktes bürgerliches Engagement gegen rechtes Gedankengut.

Ob zusammengewachsen sei, was zusammengehöre, war eine weitere Frage aus dem Publikum, die sich an das berühmte Zitat von Willy Brandt anlehnte. Der Eindruck Hans-Jochen Vogels ist, dass der Prozess des Zusammenwachsens in den letzten 18 Jahren soweit fortgeschritten ist, wie es möglich gewesen war. Die Unterschiede zwischen Hessen und Thüringen, so Vogel in seinem unnachahmlichen Humor, seien kaum größer, als zwischen Bayern und Schleswig-Holstein.

Besim Karadeniz

 

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