
„Muss das sein?“ – ist Ihnen und Euch schon einmal in den letzten Wochen dieses Plakat begegnet? Dann sind Sie oder seid Ihr sicher kurz darauf zurückgeschreckt, denn unter dieser Frage war ein drastisches Bild einer zugemüllten oder vollkommen verdreckten Autobahn-Parkplatz-Toilette.
Ich habe in dieser Woche die Autobahn GmbH besucht um mich mit dem Management über diese Aktion zu unterhalten.
Diese Toiletten – es geht nicht um die Toiletten in Rasthöfen – sind wichtig für Familien. Aber vor allem sind sie gemeinsam mit den dort vorhandenen Duschen Teil des Arbeitslebens der vielen Fernfahrerinnen und Fernfahrer. Menschen, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass wir mit Lebensmitteln und anderen Gütern gut versorgt werden, dass unsere Wirtschaft am Laufen bleibt und die industrielle Wertschöpfung mobil, bekommen solche Ekel-Toiletten für ihre wenigen Pausenzeiten.
Und lasst mich weiter über Arbeit schreiben. Dreimal (!) am Tag werden diese Toiletten gereinigt. Dreimal am Tag müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Urin von den Wänden wischen, Fäkalien auf dem Boden aufsammeln. Das ist eine Gesundheitsgefährdung und eine Geringschätzung von Arbeit, wie sie deutlicher kaum sichtbar sein kann.
Und ja: Wenige Stunden, nachdem die Toilette komplett gereinigt wurde, ist sie bereits wieder ekelhaft verdreckt. Und wir reden hier nicht über ein „Malheur“ – wir reden über absichtliches Verdrecken aus Rücksichtslosigkeit und manchmal auch um Teil einer TikTok-Challenge zu sein.
Für mich stehen im Mittelpunkt meiner Landtagsarbeit Wertschätzung und Respekt. Daran will ich mich auch messen lassen. Und darum war es mir wichtig, die Aktion „Muss das sein?“ zu unterstützen.
Hier geht es ganz konkret und im Detail darum: Wie respektiert unsere Gesellschaft Arbeit eines anderen, den Arbeitsplatz eines anderen, die Arbeitspausen eines anderen?
Und das Bild ist verheerend. Wer sich diese Ekel-Fotos anschaut müsste zum Ergebnis kommen: Vielen ist die Arbeit des anderen heute nur noch egal.
Aber es gibt auch einen Lichtblick. Die Direktorin der Autobahn Südwest GmbH hat mir gesagt, dass es seit Beginn der Aktion ganz viele tolle Kommentare in Social Media gibt von Menschen, die die Arbeit der Reinigungskräfte loben, ihnen danken und den Rücken stärken.
Das, finde ich, ist ein gutes Zeichen. Und ich lade Sie und Euch dazu ein, dieses Zeichen gerne mitzusetzen.
Foto der Woche
Zu wenige Wohnungen und zu hohe Mieten, kaum Perspektive auf Eigenheim und Sorgen, weil der barrierefreie Wohnraum fehlt – in Baden-Württemberg ist das Wohnen in einer Krise. Es war mir wichtig am Montag bei der Diskussionsrunde der Wohnungswirtschaft im Gespräch mit Moderatorin Anke Plättner Kritik zu üben, aber auch Lösungen aufzuzeigen.
